Fendt Traktoren erfüllen Autonomie Level 3 und PTx OutRun automatisiert Ernte und Bodenbearbeitung

Spurführung und zahlreiche Assistenzsysteme haben sich in der landwirtschaftlichen Praxis etabliert. In der Kombination aus unterschiedlichen Assistenzfunktionen erreichen Fendt Traktoren schon heute den Autonomiegrad Level 3. Mit dem Nachrüstsatz "OutRun Grain Cart” und “OutRun Tillage” werden Fendt Traktoren autonom bei der Getreideernte oder in der Bodenbearbeitung eingesetzt. PTx OutRun ist in Nordamerika und Australien, sowie Südamerika für die Baureihen Fendt 900 und 1000 Vario verfügbar.

Fendt Maschinen mit den verfügbaren FendtONE onboard Features erreichen ab Werk je nach Ausstattung Autonomie Level 3 entsprechend der Klassifikation der Association of Equipment Manufacturers (AEM) für Nutzfahrzeuge. Das heißt, die Maschine übernimmt definierte Aufgaben selbstständig, der Fahrer bleibt eingriffsbereit. Die Skala reicht von Level 0 bis Level 5. Bei Level 0 steuert der Mensch die Maschine vollständig. Bei Level 5 arbeitet das System voll autonom; der Mensch plant den Einsatz und prüft das Ergebnis.

Eine Maschine auf einem Acker, hinter ihr eine gelbe Linie, welche den Wendekreis darstellt

Übersicht Autonomie Level nach AEM Standards

Grad der
Autonomie

Art der Bedienung

Rolle von Mensch, Maschine und System

Level 0 –
Manuelle Bedienung

Manuelle Bedienung ohne Assistenzsysteme
oder Automation.

Der Mensch hat die volle Kontrolle und die Maschine führt aus.

Level 1 –
Assistierte Bedienung

Eine oder mehrere automatisierte Funktionen,
mit integrierter, aktiver menschlicher Steuerung.

System übernimmt Einzelfunktionen. Der Mensch überwacht die Umgebung und übernimmt Mehrheit der Aufgaben.

Level 2 – Teil-automatisierung

Zahlreiche automatisierte Funktionen nutzbar, mit integrierter, aktiver Mensch-Maschine-Bedienung
und Überwachung der automatisierten Funktionen.

System übernimmt die Mehrheit der Aufgaben. Der Mensch überwacht die Umgebung und übernimmt Teilaufgaben.

Level 3 – bedingte Automatisierung

Automatisierte Funktionen unter vorab festgelegten Bedingungen, mit aktiver Überwachung durch Menschen vor Ort oder von außerhalb.

Das System arbeitet selbstständig. Der Mensch überwacht die Umgebung und greift bei Bedarf ein.

Level 4 – überwachte Automatisierung

Autonomer Betrieb unter vorgegebenen Bedingungen und innerhalb eines vordefinierten Bereichs, mit passiver Überwachung durch den Bediener vor Ort oder aus der Ferne.

Das System führt den Prozess vollständig aus. Der Mensch überwacht die Umgebung passiv und greift ein, um die Aufgabe abzuschließen oder Fehlfunktionen zu lösen.

Level 5 - Voll-automatisierung

Autonomer Betrieb unter vorgegebenen Bedingungen und innerhalb eines vordefinierten Bereichs, ohne dass zur Ausführung einer Aufgabe eine Überwachung durch den Bediener erforderlich ist.

System arbeitet vollständig allein. Der Mensch plant und kontrolliert Ergebnisse, ein Eingreifung zum Starten oder Beenden der Aufgabe ist nicht nötig.

Level 1: Fahrerassistenz

Ein Fendt 700 Vario fährt mit einer Amazone Sämaschine auf einem Acker

Auf Level 1 unterstützen Assistenzsysteme den Fahrer, der die Arbeit weiterhin selbst steuert. Fendt Maschinen verfügen in allen Ausstattungsvarianten über Funktionen die Fahrer bei ihrer Arbeit unterstützen. Grundlage hierfür ist die Bedienplattform FendtONE mit dem Onboard Fahrerarbeitsplatz in der Kabine und der Offboard Anwendung für die Auftragsplanung im Büro. Auch Spurführung Fendt Guide und die ISOBUS-basierte Steuerung von Anbaugeräten, wie beispielsweise Fendt Section Control fallen in diese Stufe. Die Systeme entlasten den Fahrer bei Teilaufgaben, etwa durch die automatische Steuerung des Anbaugeräts, ohne den Arbeitsprozess selbst zu übernehmen.

Level 2: Teilautomatisierte Prozesse

Das Luftbild zeigt einen Fendt-Traktor mit Anbaugerät auf einem Feld, der mithilfe eines Spurführungssystems eine exakte Wende ausführt.

Auf Level 2 übernimmt die Maschine mehrere Aufgaben eines Arbeitsprozesses selbstständig. Der Fahrer überwacht den Ablauf und greift bei Bedarf ein.
Ein Beispiel ist die Kombination aus der Spurführungsanwendungen mit Fendt Guide und Fendt TI Headland, dem automatischen Vorgewendemanagement. Bei der Aussaat führt das Spurführungssystem das Gespann. Vor dem Wendemanöver stoppt der Traktor die Saatgutdosierung, hebt die Säschare an und schaltet die Zapfwelle ab. Er reduziert die Geschwindigkeit, wendet am Vorgewende und aktiviert nach dem Wendevorgang alle Systeme wieder und setzt die Aussaat fort.
Auch Fendt Workgroup gehört zu Level 2. Durch den Austausch von Felddaten auf einer Fläche arbeiten mehrere Maschinen übersichtlich und einsatzsicher. Die Fahrer konzentrieren sich hauptsächlich auf die Überwachung des Traktors.

Level 3: Vollautomatisierter Einsatz mit Fahrerüberwachung

Um den Automatisierungsgrad Level 3 zu erfüllen, muss ein System selbstständig arbeiten. Der Fahrer bleibt übernahmebereit, er überwacht den Prozess, das Umfeld und das Ergebnis und greift nur bei Bedarf ein. Ein Beispiel ist das automatisierte Spotspraying, die punktgenaue Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln in Kombination mit der Spurführung mit Vorgewendemanagement. Spurführung, automatisches Vorgewendemanagement und teilflächenspezifische Bearbeitung arbeiten zusammen und bringen das Mittel nur dort aus, wo es benötigt wird. So entsteht ein vollautomatisierter Arbeitsprozess unter Aufsicht des Fahrers.

Level 4: überwachte Automatisierung mit PTx OutRun für Fendt Traktoren

Wie sich Level 4 in der Praxis umsetzen lässt, zeigt der Nachrüstsatz PTx OutRun mit den Anwendungen Tillage und Grain Cart. PTx Trimble stellt mit dem autonomen Nachrüstsystem OutRun eine Plattform vor, die Landwirten und Lohnunternehmen den Einstieg in autonome Feldarbeiten ermöglicht. Die Lösung PTx OutRun Grain Cart ermöglicht den fahrerlosen, autonomen Einsatz eines Überladewagens während der Ernte. Seit Juli 2026 wurde die Plattform zudem um autonome Bodenbearbeitung mit OutRun Tillage erweitert. Beide autonomen Lösungen laufen mit derselben OutRun Hard- und Software. Die Nachrüstlösung ist für bestehende Maschinen konzipiert und wird künftig für die Traktorenbaureihen Fendt 900 Vario und Fendt 1000 Vario in bestimmten Regionen verfügbar sein.

Autonome Unterstützung bei der Getreideernte

Ein Fendt IDEAL fährt neben einem Fendt 900 Vario mit OutRun Grain Cart und einem Überladewagen

Während der Ernte sind qualifizierte Arbeitskräfte häufig ein Engpass. Mit OutRun Grain Cart übernimmt ein mit Sensorik, Konnektivität und autonomer Steuerung ausgestatteter Traktor mit Überladewagen wiederkehrende Transportaufgaben auf dem Feld. Der Mähdrescherfahrer kann das Gespann per Tablet oder iPad direkt aus der Kabine anfordern. Anschließend fährt der Traktor autonom vom Feldrand zum Mähdrescher. Mit OutRun richtet sich das Gespann automatisch für das Abtanken während der Fahrt aus. Nach Abschluss des Vorgangs kann der Mähdrescherfahrer dem Gespann neue Aufgaben zuweisen oder es zum definierten Übergabepunkt schicken. Dort kann das Erntegut auf einen Lkw oder andere Transportfahrzeuge übergeben werden.
Dabei unterstützt das System sowohl Anfahrten von vorne als auch von hinten an den Mähdrescher und richtet sich automatisch aus. Bei Bedarf nimmt das System auch Korrekturen vor, um einen kontinuierlichen Überladevorgang zu gewährleisten. Die vorhandenen Spurführungs- und Lenksysteme des Mähdreschers bleiben unverändert nutzbar.

Weniger Bodenverdichtung, effizientere Logistik

Neben der Entlastung des Fahrpersonals trägt OutRun zur Optimierung der Erntelogistik bei. Das System nutzt etablierte Fahrspuren des Mähdreschers, um wiederkehrende Verkehrswege auf dem Feld zu schaffen. Dadurch kann die Bodenverdichtung reduziert werden. Gleichzeitig lassen sich Fahrgeschwindigkeiten, Übergabepunkte sowie Langsamfahr- und Sperrzonen an die jeweiligen Feldbedingungen anpassen.
Die autonome Unterstützung ermöglicht es Betrieben, vorhandene Mitarbeitende für andere wichtige Aufgaben einzusetzen, beispielsweise für den Straßentransport, die Trocknungsanlage oder weitere Arbeiten im Ernteprozess.

Nächster Schritt: Autonome Bodenbearbeitung

Ein Fendt 900 Vario bearbeitet den Boden mit PTx OutRun Tillage in Nordamerika udn erreicht Level 4 Autonomie

Mit OutRun Tillage erweitert PTx Trimble die OutRun Plattform um die Funktionalität zur Bodenbearbeitung. Nach einer ersten manuellen Überfahrt zur Festlegung von Feldgrenzen, Hindernissen und zur Kalibrierung des Anbaugeräts übernimmt OutRun die weitere Bearbeitung autonom. Der Bediener kann die Maschine anschließend aus der Ferne über die OutRun App überwachen und bei Bedarf eingreifen.

Über die eigene App lassen sich Arbeitsfortschritt, Bildaufnahmen, ein Live-360-Grad-Videostream sowie Systemmeldungen kontrollieren. Darüber hinaus können virtuelle Grenzen, Sperrzonen, Langsamfahrbereiche und Bearbeitungsmuster flexibel angepasst werden. Das System erstellt optimierte Fahrstrategien, um die Flächenleistung und Kraftstoffeffizienz zu verbessern.

Ein Handy mit der PTx OutRun App

Insbesondere in arbeitsintensiven Zeitfenstern unterstützt die autonome Bodenbearbeitung dabei, Feldarbeiten termingerecht durchzuführen und Mitarbeitende für andere betriebliche Aufgaben einzusetzen. Eine rechtzeitige Bearbeitung fördert unter anderem die Nährstoffverfügbarkeit sowie den Abbau von Ernterückständen und optimiert die Voraussetzungen für nachfolgende Arbeitsschritte.

Sicherheit als zentrales Entwicklungsziel bei OutRun

OutRun verfügt über integrierte Sicherheitsfunktionen mit Hinderniserkennung, virtuellen Feldgrenzen und automatisierten Warnmeldungen. Sensoren überwachen kontinuierlich die Umgebung des Traktors. Werden Hindernisse erkannt, reduziert das System zunächst die Geschwindigkeit, stoppt bei Bedarf vollständig und informiert den Bediener über die App. Bewegliche Hindernisse werden überwacht, bis der Fahrweg wieder frei ist.

Modulare Plattform für zukünftige Anwendungen

OutRun basiert auf einem modularen Nachrüstkonzept. Der Nachrüstsatz kann für verschiedenen Traktoren und Anwendungsbereichen genutzt werden. Dadurch entsteht eine Plattform, die künftig neben Prozessen in der Ernte und Bodenbearbeitung weitere autonome Aufgaben übernehmen kann. Die Lösung nutzt Starlink. So wird eine satellitengestützte, zuverlässige Verbindung auch in Regionen mit eingeschränkter Mobilfunkabdeckung sichergestellt.
Mit PTx OutRun entscheiden Landwirte je nach Arbeitseinsatz, ob ein Fahrer den Traktor steuert oder ein Traktor mit OutRun die Aufgabe autonom übernimmt. Eine zusätzliche Maschine für autonome Einsätze ist daher nicht nötig und die bestehende Flotte arbeitet effizienter. Die Hardware ist zudem auf künftige Erweiterungen der OutRun Anwendungen ausgelegt.

Quelle: FENDT

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